Samstag, 5. Dezember 2009

5. Türchen

Vier kleine Kerzen

In einem stillen Kämmerlein brannten vier kleine Kerzen vor sich hin. Es war ganz still - so still, dass man hörte, wie die vier Kerzen zu reden begannen.

Die erste Kerze seufzte uns sagte: "Ich heiße Frieden. Mein Licht leuchtet für die Menschen, aber die Menschen halten keinen Frieden, sie wollen mich nicht." Ihr Licht wurde langsam immer kleiner, zitterte kurz und verlosch schließlich ganz.

Die zweite Kerze flackerte und sagte: "Ich heiße Glauben. Ich leuchte für das, woran die Menschen glauben. Aber ich werde nicht mehr gebraucht. Die Menschen wollen von Gott nichts mehr wissen. Es macht keinen Sinn mehr, dass ich brenne." Ein leiser Lufthauch wehte durch den Raum und die zweite Kerze ging aus.

Leise und sehr traurig meldete sich nun die dritte Kerze zu Wort und sagte: "Ich heiße Liebe. Mein Licht soll den Menschen Wärme und Freude geben. Doch die Menschen stellen mich an die Seite. Sie sehen nur noch sich selbst und nicht die anderen, die sie lieb haben sollen." Leise sagte sie: "Ich habe keine Kraft mehr zu brennen." Sie vergoss eine Träne und mit einem letzten Aufflackern war auch ihr Licht gelöscht.

Da kam ein kleines Kind in das Zimmer, schaute die Kerzen an und sagte: "Aber, aber - ihr sollt doch brennen und nicht aus sein!" Und fast fing es schon an zu weinen. Da meldete sich ganz still und leise die kleinste und letzte Kerze zu Wort. Mit leiser, zarter Stimme sagte sie: "Hab keine Angst. Solange ich brenne, können wir all die anderen Kerzen wieder anzünden."

Das Kind begann zu lachen, wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, nahm die kleine Kerze und zündete lachend die anderen Kerzen wieder an. Das kleine Mädchen fragte die kleine Kerze nach ihrem Namen. Die kleine Kerze antwortete mit leiser Stimme: "Ich heiße Hoffnung."

Kommentare:

  1. Hach schön! Vielen Dank für die Geschichte!
    Liebe Grüsse
    Kaisa

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  2. schön. danke für diese besinnlichen augenblicke.
    lg

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