Sonntag, 27. Februar 2011

Beobachtungen

Seit dieser Verdacht ADS im Raum steht, hat sich etwas verändert. Aus der ersten Verwunderung (da sowas nie vorher thematisiert wurde) wurde zunächst leise Wut (aus dem gleichen Grund) und dann Angst. Davor, dass ich jahrelang etwas übersehen oder gar verdrängt haben könnte, obwohl ich mich für eine kritische Mutter halte. Davor, dass Plapperflummi in eine Schublade gesteckt wird, die Probleme birgt.

Ich habe mittlerweile einiges darüber gelesen. Tatsächlich könnte auch einiges passen. Aber das würde auf so ziemlich alle Kinder in meinem Umfeld passen - außer auf die ganz ruhigen und zurückhaltenden. Mir stellt sich die Frage, was noch normal ist und ab wann es "krankhaft" wird? Aber ok - darüber wird ja ein Fachmann entscheiden. Solange muss ich mich in Geduld (hahaha) üben.

Was ich allerdings richtig ätzend finde... seit diesem Gespräch mit der KL ertappe ich mich dabei, dass ich meinen Sohn mit anderen Augen betrachte. Argwöhnisch. Beobachtend. Ja, wertend. Jedes Verhalten, das über das Ruhig-und-still-auf-dem-Stuhl-sitzen hinaus geht, scanne ich auf ein eventuelles "Zuviel". Isch möschte das nischt! Mennoooo *jaul*

Dann ist das heute so ein Tag. Gottesdienst steht an. Ich sollte mich darauf freuen. Bin aber so in meinen Gedanken, Ängsten und Sorgen (die über o.g. Problem hinausgehen *anmerk*) gefangen, dass ich mich kaum öffnen kann. Dass ich fast schon trotzig dasitze und hoffe, es möge nicht zu lange dauern.

Und was passiert? Von der Begrüßung an... über die ausgewählten Lieder (die allesamt gesanglich ein Fiasko aber inhaltlich hervorragend und so passend waren)... über die Predigt bis hin zum abschließenden Segen... alles war eine einzige Streicheleinheit von Gott. Ein ganz deutliches Zeichen. Ein pures "Doch! Ich bin da! Ich sehe und höre dich. Ich nehme dich ernst und fange dich auf. Ich halte dich. Und vor allem: Ich liebe dich. Weil und obwohl ich dich und alle deine Gedanken kenne."

DANKE!!!

Kommentare:

  1. Manchmal habe ich einfach das Gefühl, dass es nicht gewünscht ist, wenn ein Kind nicht mit im Strom schwimmt.
    Und dass die Lehrer da auch nicht für ausgebildet sind und daher gerne (wie kleine Kinder motzig) einfach sagen: also ICH weiss nicht, was ich mit dem Kind noch machen soll.

    Tja.
    mitfühlende Grüsse.

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  2. Ganz großer Schlamassel!

    Erfahrung zeigt, dass Du am Besten Deinen Flummi unter´n Arm klemmst und in einer andere Schule (am Besten Jungenschule oder naja, Montessori oder Waldorf) steckst. Haben eigentlich die Mühlans sich jemals zu ADHS geäußert? (In meiner Haupterziehungszeit von Flummis bis 2000 war ADS nämlich noch nicht erfunden).

    Mächtig liebe Grüsse
    Regina

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  3. @ Ex: Er ist ja ein guter Schüler! Und bisher auch gar nicht auffällig. Bloß (ich zitiere die KL) temperamentvoll. Es hieß NIE, dass er z.B. im Unterricht stört o.ä. Die Verwunderung über die Entwicklung bleibt also!

    @ Regina: Erst mal abwarten, was bei der Beratung passiert. Dann sehen wir weiter. Es wird dann so oder so ein sehr intensives Gespräch mit der KL und dem Rektor folgen müssen.

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  4. Du kennst deinen Flummi am besten, lass dich nicht verrückt machen.

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  5. Liebes Schäfchen, ich fühle mit Dir und bin überzeugt davon, das in den meisten Fällen übertrieben wird. Von Lehrern, die keine Lust und definitiv keine Zeit mehr haben für Ausnahmen, von Therapeuten und Ärzten für die Kasse. Ist ganz klar. Habe mich zu dem Thema in letzter Zeit viel belesen. Mein Sohn ist zwar kein ADS Kanididat (noch nicht nehme ich an), aber jede klitzekleine Kleinigkeit wird von Kiga und Ki-Ärztin aufgegriffen. Manchmal glaube ich, es gibt einfach zu wenige Kinder auf die sich sog. Fachleute stürzen können, da muss jedes Kind, was aus dem Rahmen fällt, gleich therapiert werden.
    Bitte nicht alles glauben und verrückt machen lassen!
    Schön, das Dir der Gottesdienst so gut getan hat, mir ergeht es meistens ebenso!
    Liebe Grüße
    Karoline

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  6. Liebes Schäfchen,
    Sie kennen mich nicht, aber als ich Ihren Post gerade las, musste ich mich fürchterlich aufregen! Genauso läuft das heute- die Kinder werden in eine Schublade gesteckt und fortan kann man keinen normalen Blick mehr auf sie haben- alles erscheint einem pathologisch.Genau dadurch verändert sich auch der Umgang mit den Kindern, wodurch wirklich ein ungutes Miteinander provoziert wird. Hören Sie auf Ihr Gefühl!!!

    Viele Grüße,

    Bettina

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  7. Ja, der Papa ist eben so gut zu uns.....
    Ganz liebe Grüße
    Susanne

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  8. Liebstes Schäfchen,

    bitte lass den kleinen Plapperflummi ja nich in irgendeine Kiste stecken, höre auf Deinen Bauch und vor allem auf Dein Herz.

    Lass nachgucken, und ich denke da wird nichts sein, denn weißt Du was?? Die meisten Kinder die ich kenne sind so, und noch schlimmer (was ist eigentlich schlimm??).Haben diese Kinder was?? Nein. Das ist eher unsere Gesellschaft, wenn die Kinder nicht in´s Schema passen bekommen die gerade mal den Stempel auf die Stirn gekloppt :o(
    Ich werde da echt wütend :o(

    Lass Dich nicht irre machen ;o)

    Herzlichste Grüße
    Frau Muschel

    P.S.: Und danke fürs Trost spenden :°)

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  9. Ich kann dich so gut verstehen. Es tut weh, sein Kind, für das man alles geben würde, plötzlich mit anderen Augen zu sehen. Lass dir Zeit, das legt sich wieder. Wenn Erik jetzt ganz versunken mit etwas spielt und mich nicht hört, laut ist, irgendwelche anderen Sachen macht die, wie sagtest du, über-still-auf-dem-Stuhl-sitzen hinaus gehen, .... dann lächle ich. Ich habe erkannt, das sich nichts ändert, wenn ich tobe, weine und doch ... Eines bleibt gleich. Meine Liebe zu meinem Sohn.

    Bine

    PS habt ihr schon an die Diagnose KISS Syndrom gedacht? Hier ein Link zu einer Infoseite http://www.kiss-kid.de/seiten/kiss_syndrom.html

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  10. Manchmal glaube, ich, dass ADS eine "Modediagnose" ist. Was weder denjenigen gerecht wird, die tatsächlich darunter leiden, noch denen, die fälschlicherweise in diese Schublade gesteckt werden.

    Mach dich nicht verrückt. Warte erst einmal ab, was der Experte (und dein Gefühl) dir sagen.

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  11. Es ist schön, in die Kirche zu gehen und das Gefühl zu haben, die Predigt ist nur für mich selber bestimmt.

    LG Mauve

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