Dienstag, 20. Dezember 2011

Von Stärke und Schwäche

Heute gingen mir auf der Heimfahrt von der Arbeit einige Gedanken durch den Kopf.

Als der Mister die ersten Krankheitszeichen zeigte, wurde ich unruhig. Zugegebenermaßen neige ich dabei zu Überreaktionen und Panik. Also versuchte ich nach Möglichkeit, meine Angst und Sorge zu verdrängen. Das kostete mich wahnsinnig viel Kraft. Dann kam der Krankenhausaufenthalt und die Ängste wurden größer und konkreter. Ich konnte sie mir eingestehen und benennen... aber nicht wirklich be- oder verarbeiten.

Weinen? Bloß nicht vor den Kindern. Die könnten Angst bekommen und verunsichert werden. Im Büro? No way! Vor dem Mister? Nein, der hat genug mit sich selbst zu tun... bloß nicht damit belasten. Abends alleine? Da war ich dann so leer, dass gar nix mehr ging. Also alles fein unterdrücken und verdrängen. Ich wurde immer aggressiver und dünnhäutiger. Das ging so, bis die Nachricht mit der Uniklinik kam. Dieser Tropfen brachte das (Tränen)Fass zum Überlaufen.

Die Tränen scheinen auch meinen Blick auf die Realtität gereinigt zu haben. Mir wurde schlagartig bewusst, dass mich meine erzwungene (Pseudo)Stärke erst so richtig schwach machte. Und dass dieser Zustand den Mister beeinträchtigte, weil er sich deshalb Sorgen um mich machte. Wahrscheinlich mehr, als wenn ich einfach nur mal geflennt hätte. Diese Erkenntnis tut/tat weh! Das wollte ich niemals!

Tatsache ist... in dem Moment, in dem ich alles losließ... meinen Gefühlen (und Tränen) freien Lauf ließ... als ich Schwäche zuließ - DA wurde ich mit Stärke beschenkt! Was für ein Segen. Ok... dass es dem Mister täglich besser geht und er ziemlich wahrscheinlich bald nach Hause darf, trägt viiieeel zu meiner Ruhe bei. Aber nichtsdestotrotz habe ich etwas gelernt - dafür ist es scheinbar nie zu spät *schieflächel*



Kommentare:

  1. Ganz genau!!! So etwas muss man erst mal "lernen", bzw. sich dessen nicht schämen auch mal loszulassen... nicht immer nur "die Starke" (für Andere) zu sein!
    Wohin das führt hab ich selbst vor 3 Jahren erlebt, aber es war eine bittere Erkenntnis & man zahlt dafür einen hohen Preis. Inzwischen kann ich das sehr gut, mich zurücknehmen, wo es nötig ist (denn ich hab gelernt, dass das Leben auch ohne mich & mein Tun weiterläuft!), aber auch Hilfe einzu"fordern", wenn ich sie brauche!
    Ich wünsch dir & deinen Lieben weiterhin viel Kraft, liebes Schäfchen, und hoffe, dass es mit der Gesundheit des Misters weiterhin bergauf geht.
    Alles Liebe,
    SOLEILrouge :-)

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  2. Manchmal muss frau schwach sein, um stärker zu werden.

    Das merke ich im Moment auch immer wieder im Wechselbad der Gefühle mit meiner besten Freundin.

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  3. Ich wünsche Euch allen ein gemeinsames Weihnachtsfest!!!
    Ja man lernt nie aus ^^ :-)

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  4. Liebes Schäfchen, Deine Erkenntnis kann ich nur teilen, so ging es mir, als mein Sohn per Notkaiserschnitt als Frühchen zur Welt kam. Ich wollte und musste stark sein für mein Kind und meinen Mann, aber diese Fassade aufrecht zu erhalten, hat mich nur geschwächt. 14 Tage-dann war es so weit. Aber dann- dann ging es aufwärts!
    Liebe Grüße
    Karoline

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  5. *feste drück*

    Alles andere wurde schon gesagt, denke ich. Auch Schwäche zuzulassen und zu zeigen ist eine Stärke!

    Auch, bzw gerade Kinder sind übrigens stärker als man denkt :)

    Alles Liebe

    Pony

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  6. So was kann man ja auch erst lernen, wenn die Situation mal da ist. Aber ich bin froh, dass du so erkennenden Blickes auf dich selbst schauen kannst, das ist doch wirklich schon die halbe Miete! :)
    Ich denke an dich, ganz feste, und bitte um Kraft für dich bzw. euch! Denn wir müssen nicht alle Kraft alleine aufbringen...

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  7. Neue weise Worte fallen mir leider keine ein, ich freu mich einfach für euch, dass es aufwärts geht.
    lg Tagpflückerin

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  8. Das klingt gut - hart, aber gut. Ab und an muss man loslassen - zulassen, abgeben.
    Schön auch, dass es dem Miste besser geht! Es geht also aufwärts! Super!
    Bin in Gedanken bei euch!
    sawy

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  9. So, jetzt heul ich ...

    ((((SCHÄFCHEN GANZ LIEB DRÜCK))))

    So ging es mir vor Kurzem auch, und mir steigt seitdem in vielen Situationen das Wasser in die Augen...

    Liebgruß

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  10. Ich drück dich, Süße.

    Und raus damit. Wir sind alles Menschen und manchmal ist es zu viel.

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  11. ist doch gut dass wir immer wieder was dazu lernen können :-)
    ich glaube wir lernen nie aus ... und das finde ist - finde ich - ein schöner Gedanke.

    lieber Gruß von Heidi-Trollspecht

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