Montag, 16. Juni 2014

Was ist schön?

Schönheit liegt im Auge des Betrachters.
Sagt man.
Wer definiert, was schön ist?

Zurzeit ist es größtenteils der schlanke, durchtrainierte Körper, der als schön und ästhetisch angesehen wird. Ist man übergewichtig oder sogar richtig dick (ich mag solche "Verniedlichungen" wie mollig... üppig... nur ganz selten), dann hat man gefälligst unglücklich zu sein und muss dauernd auf der Suche nach der richtigen Diät sein.

Eine dicke Frau, die sich wohl in ihrem Körper fühlt? Das geht doch nicht. Das ist Selbstbetrug. Diese ganze Body- und Fat-Acceptance-Geschichte... die ist doch nur was für die (natürlich *gähn*) faulen Dicken, die eh nicht den breiten Hintern von der Couch bekommen und nach etlichen Diätversuchen aufgegeben haben.

Ich hätte gerne vor 400 Jahren gelebt - da hätte ich dem Schönheitsideal voll und ganz entsprochen und hätte mich nicht immer kritisch betrachten müssen. Aber MUSS ich das denn?

Muss ich permanent zwischen "Ich muss unbedingt abnehmen - der Sport darf nicht nur was für meine Kondition bringen - er muss mir auch einen schlankeren Körper verschaffen!" und "Ich muss lernen, mich hier und jetzt so zu lieben, wie ich bin!" hin und her pendeln? Ratlos? Haltlos? Hilflos?

Nahezu krampfhaft versuche ich, mir einzureden, den Sport nur für meine Gesundheit zu machen. Und da merke ich ja immerhin Fortschritte. Aber ich würde lügen bei der Behauptung, nicht immer mit einem Auge auf lockerer sitzende Hosen oder andere Anzeichen einer Gewichtsabnahme zu schielen. Da ich mir fest vorgenommen habe, erst wieder auf eine Waage zu steigen, wenn die Jeans richtig locker sitzen.

Dann sehe ich all die tollen Plus-Size-Modeblogs mit den kreativen, hübschen Frauen, die sich toll kleiden. Die hübsche Kleidchen und Röcke mit einem Selbstverständnis tragen, nach dem ich immer noch suche.

Aber prompt denke ich "Aber sie hat ja auch viel schlankere, hübschere Beine - nicht solche Stampfer wie ich"... oder "Sie hat nen tollen, großen Busen, der vom Bauch ablenkt und schönere Proportionen zaubert - ich mit meinem B-Körbchen... pfff"... oder "Sie hat ein total niedliches, hübsches Gesicht - kein pubertär vermitessertes 40+-Gesicht mit Dreifachkinn"

WARUM zum Geier finde ich andere Menschen... andere dicke Frauen total hübsch und mich an guten Tagen gerade mal "geht so"???

Damit bin ich nicht alleine - das macht mich betroffen:



Ich möchte das nicht mehr. Ich möchte nicht über meinen Bauch denken, dass er abstoßend ist. Ich möchte nicht über meine Beine denken, dass sie krumm und fett und grässlich sind. Ich möchte nicht über mein Gesicht denken, dass man ja eh nur das Dreifachkinn sieht und der Rest auch total verwuchert ist. Ich möchte nicht über meine Hintern denken, dass er eine eigene Postleitzahl braucht.

Warum kommt das so verstärkt, wo es mir (eigentlich) richtig gut geht? Vielleicht, weil ich gerade die Kraft habe, mich damit auseinander zu setzen...

Wer meinem wilden, unsortieren Geschreibsel bis hier her folgen konnte, darf sich nen Keks nehmen *tellerhinhalt* ;)

Kommentare:

  1. Liebes Schäfchen, da muss ich jetzt aber mal meinen Senf dazu geben. Achtung, könnte ein länger Kommentar werden.
    Dein Post macht mich betroffen, nicht nur, weil es schade ist, wenn man sich nicht so akzeptieren kann, wie man ist, sondern weil es mir manchmal auch so geht. Mir und elfunddrölfigtausend anderen Frauen. Was kann man tun? Ich zum Beispiel habe vielleicht eine einigermaßen akzeptable Figur für eine Frau mit 41 und zwei Kindern, mag aber mein Gesicht nicht. Oder meine Füße. Oder oder oder... Der Trick ist, etwas an sich zu mögen, was nichts mit dem Äußeren zu tun hat. Ich bin witzig. Ich bin lieb. Ich werde geliebt. Was nützt eine schöne Hülle, wenn innen alles häßlich ist?
    Und wenn man sich schon auf das Aussehen konzentriert, sollte man auch da etwas finden, was schön ist. Ich kenn dich ja nicht, aber vielleicht hast du schöne Hände, weiße Zähne, lange Wimpern, süße kleine Ohrläppchen oder oder oder. Darauf unbedingt den Fokus des Denkens legen. Neulich hatte die liebe Gretelies einen sehr tollen Blogbeitrag zum Thema schlank sein geschrieben. Macht Mut.
    Ich drück dich mal virtuell. Ich weiß, du bist wunderschön!
    Liebste Grüße,
    Bine

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    1. Liebe Bine,
      zum Glück bin ich mir ziemlich sicher, dass ich innen schön bin ;)
      Außerdem mag ich meine Augen und meine langen Wimpern! Ich mag meinen schwarzen Humor und noch ein paar andere Eigenschaften.

      Mir war bis eben gar nicht bewusst, das mein Post ziemlich oberflächlich rüberkommen kann. Also eines bin ich ganz sicher nicht - oberflächlich. Nur phasenweise... heute so ein bisschen ;)

      Vielen Dank für den Drücker - und überhaupt!

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  2. Bines Kommentar ist so wundervoll, dass ich eigentlich gar nichts zufügen möchte. Außer vielleicht...

    Es gibt Tage, da fühlt man sich einfach mies. Das darf man dann auch ausleben, so lange es nicht zum Dauerzustand wird. Also kotz Dich richtig aus, hier im Blog und natürlich auch bei der Freundin/Ehemann und wenn es Dir in ein paar Tagen wieder wurscht ist, dann lachst Du über dieses Posting. Ich hoffe es zumindest. :*

    LG

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    1. Ich fühle mich heute gar nicht mies. Echt nicht. Mir geht es weiterhin gut :)
      Diese Gedanken hab ich immer... und gestern wurden sie durch eine Diskussion in einer anderen Ecke des www nochmal besonders angestupst.

      Und hey... klar kotz ich mich aus. Dafür ist der/das Blog ja ursprünglich gedacht :)

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  3. Es fällt mir schwer, was dazu zu sagen. Trotzdem, was meinst du, Schäfchen, sieht der Hirte? Und was denkst du, Schäfchen, denkt der Hirte über dich? Wenn du magst, lies Zefania 3.17, und setzte deinen Namen ein.....
    So sehe ich das
    Herzlichst
    yase

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    1. Ach Yase, da triffst du ins Schwarze. Auch hier bin ich oft hin- und hergerissen. Ich WEISS, dass Gott mich so liebt, wie ich bin. Andererseits hat er mich nicht so geschaffen. Also außen. Das war ich mit meiner Disziplinlosigkeit mit Hilfe der Nahrungsmittelindustrie *schiefgrins*

      Außerdem sollen wir unseren von Gott gegebenen Körper ja hegen und pflegen. Das habe ich sehr lange nicht gemacht - im Sinne, dass ich nicht gut genug auf mich geachtet habe.

      Und trotzdem... ich bin mir ganz sicher, dass Gott mich mit allem, was ich bin, liebt! Und das ist mir seeeehr wichtig!

      Vielen Dank für genau diese Bibelstelle - die hab ich gerade förmlich aufgesaugt :)

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    2. Liebes schäfchen, das weiss er doch alles..... Und trotzdem,,es ändert genau gar nichts an dem, wie er dich sieht! Und wie sehr er dich liebt :)guck weg von dir, hin zu ihm, und der Sturm wird sich legen. Du wirst vielleicht niemals in eine 36 steigen können. Aber du hast Qualitäten, Gaben und Talente, die es sich lohnt, anzuschauen und einzusetzen!....
      Habe einen gesegneten Blick auf dich selbst!
      Herzlichst
      yase

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  4. Schäfchen, eigentlich wollte ich auf derartige Postings gar nicht mehr antworten. Ich bin dick - na und? Ich bin krank (Diabetes und Krebs)
    und warum soll ich mich kasteien? Bedingt durch Insulin kann ich kaum abnehmen. Kurzum: Ich habe mich abgefunden mit meiner Figur und sage auch immer: Für Rubens wäre ich das Modell gewesen.
    Es gibt heute so schicke Sachen, dass ich auch mit Größe 48 noch ansehnlich aussehen kann. Ich habe eine strenge Diät, die ich einhalten muss - noch mehr ist nicht mehr drin.
    Sicher, manchmal denke ich auch: Es wäre schön, wenn ich 20 Kilo weniger hätte. Aber hätte ich dann auch die Kraft, die ich täglich benötige um meinen Haushalt zu bewältigen? Noch geht es.
    Liebe Grüße schickt dir
    Irmi

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    1. Jetzt bin ich sprachlos, Irmi :(
      Nein! Kasteien sollte sich meiner Meinung nach niemand.
      Und genau DAS ist ja der Punkt. Dass man als Dicke immer irgendwie den Druck im Nacken hat, dass man ja besser schlank wäre. Und DAS finde ich blöd. Aber damit wurde man ja groß... irgendwie...

      Ich wünsch dir, dass es dir noch lange gut genug geht, dass du den Alltag nicht nur bewältigst, sondern auch genießen kannst *umärmel*

      Und ja... der liebe Herr Rubens hätte seine wahre Freude an uns gehabt ;)

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  5. Für Schönheit gibt es Gott sei Dank keine Definition. Wichtig ist, dass du deinen Körper akzeptierst und dich wohlfühlst. Nobody's perfect ♥
    Das macht schon sehr nachdenklich.

    LG Sabine

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    1. Mich macht's aktuell auch sehr nachdenklich... aber ich arbeite dran :)

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  6. Ach Schäfchen, ich kann gut nachvollziehen, worüber du schreibst. Und schrecklich, dass es so vielen Menschen so geht. Und ich muss hier mal sagen, nicht nur den Dicken. Oder den pickeligen. Oder den haarlosen ....
    Ich kenne einige sehr disziplinierte Frauen, höchst diszipliniert, die Sport statt Mittagessen genießen. Und warum der Krampf? Weil sie unzufrieden mit irgendetwas sind. Ich auch, mal mehr, mal weniger, und dazu undiszipliniert. Man sieht es nur nicht gleich, da hab ich Papas Gene geerbt (leider auch die seines Brustumfanges :D)
    Warum geht es uns Frauen so? Bei Männern scheint es mir nicht so zu sein.
    glg Petra

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    1. Das ist es! Diese Selbstkritik betrifft scheinbar fast alle Frauen. Durch alle Altersstufen... durch alle Körperformen hindurch. Ist der Körper schlank, findet man andere Punkte, die verbesserungswürdig sind.

      Letztens hab ich in einem Interview mit einem Schauspieler (es scheinen auch Männer betroffen zu sein *sehrschieflächel*) gelesen, dass sich der Verzicht auf eine Tafel Schokolade 1.000 mal besser anfühlt, als der Genuss eben dieser Schokolade.

      Ganz ehrlich - auch wenn mein Wunsch nach mehr Disziplin groß ist - so weit möchte ich dann doch bitte nicht kommen!

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  7. Ich glaube "sich annehmen" und in seinem Körper wohlfühlen ist immer ein Prozess. Langsam aber stetig. Und es wird immer Tage geben, an denen man sich "hässlicher" fühlt als an anderen. Alles ganz "normal" und auch nicht weiter schlimm. Schlimm wird es dann, wenn man jeden Tag aufwacht und sich einredet wie schlimm die Welt ist und wie grausam hässlich man selbst. Aber das ist ein persönliches Kopfding, das kann man durchbrechen und ändern.

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