Freitag, 13. April 2018

Abschied ~ Gefühlschaos

Ich habe lange überlegt, ob ich was dazu schreiben soll. Nach so langer Blog-Abstinenz. Aber da dies ja ursprünglich als Gedankensortierer und Tagebuch gedacht war...

An Weihachten hab ich zusammen mit meinen Kindern meine Großeltern besucht (Oma 85, Opa 91). Mein Bauchgefühl war kein besonders gutes... wer weiß schon, wie oft das noch so möglich ist, zumal wir nicht gerade "um's Eck" wohnen.

Wir hatten eine wunderbare Zeit zusammen. Viel Gespräch und viel Lachen und viel Liebe. Meiner schon lange recht kranken Oma ging es den Umständen entsprechend relativ gut. Sie konnte alleine durch die Wohnung "wackeln" und geistig war sie eh noch fit.

Kurz vor Ostern kam dann ein Anruf meiner Mutter, dass es Oma gerade sehr schlecht ginge und es nicht sicher sei, ob sie die Nacht übersteht.
In mir tobte ein Wirbelwind an Gefühlen. Ich hatte mir immer die Größe und den Mut gewünscht, zu gegebener Zeit sagen zu können "Es ist ok - du musst nicht mehr kämpfen!"
Und da saß ich nun, heulte und betete nur, dass meine Herzensoma mir noch bleibt. Völlig egoistisch, wusste ich doch, dass sie keine Kraft und Lust mehr hatte und heimgehen wollte.

Aus ebendiesem Egoismus bzw. als Eigenschutz entschied ich mich bewusst GEGEN eine erneute Fahrt in die Heimat, als meine Oma sich wieder "berappelte" und es ihr etwas besser ging. Von meiner Mutter wusste ich um ihren Zustand und ich wollte mir das Bild von Weihnachten bewahren und keine schwache, blasse und schwindende Oma als letzte Erinnerung haben.

Letzten Freitag bekam ich im Büro eine Nachricht auf's Handy "Oma ist bei Jesus!"
Meine Oma ist über Nacht ganz friedlich im Schlaf gestorben. Mein Opa wunderte sich morgens beim Aufwachen, dass sie nicht - wie sonst - seine Hand hielt.
Ich hab ganz kurz mit meinem Opa telefoniert... ein von beiden Seiten sehr ersticktes Telefonat aber ich musste ihm sagen, dass ich in Gedanken bei ihm bin und ihn lieb habe.

Mein Chef aka Bester Chef von allen schickte mich heim. Ich schlich mich an den anderen Büros vorbei, um nicht jedem unter Tränen erzählen zu müssen, warum ich schon nach einer Stunde Feierabend mache.

Den Nachmittag verbrachte ich mit einem spontanen Hausputz. Sozusagen in Gedenken an meine immer putzende Oma - dabei konnten die Gedanken und die Tränen fließen.
Die Tage danach ging es mir erstaunlich gut. Ich musste nicht ständig heulen, sondern konnte einfach so von ihr erzählen. Ich hatte echt schon Bedenken... sonst so nah am Wasser gebaut, dass die Merci-Werbung mich umwirft aber nur einen Tag den Tod meiner Herzensoma beweinen? So kannte ich mich gar nicht.

Am Dienstag Nachmittag fuhren wir dann alle zusammen in die Heimat zur Familie, um am Mittwoch an der Trauerfeier und Beerdigung teilnehmen zu können.

Das folgende Gefühlschaos lässt sich kaum beschreiben.
Am Abend besuchte ich mit den Kindern noch meinen Opa und meinen Onkel, der ein paar Tage bei Opa blieb. Erst umarmten wir uns weinend, dann saßen wir erzählend und lachend zusammen und hatten eine gute Zeit zusammen. Völlig gaga irgendwie...

Am folgenden Tag wurde ich immer unruhiger, je näher die Trauerfeier rückte. Meine Mutter meinte treffend, dass sich das wie Prüfungsangst anfühle.
Der Gang zur Kapelle war gruselig... die Trauerfeier selbst schön und schrecklich zugleich. Aus Filius brach es plötzlich und unvermutet heraus und ich bin stolz, dass er das einfach zuließ und nicht unterdrückte. Und ich stellte fest, dass ich deutlich besser im Trösten als im Getröstetwerden bin...
Das Herablassen des Sarges... es war so schlimm... und zu gleicher Zeit empfing ich sowas wie einen Seelenstreichler, weil die Sonne schien und die Vögel fröhlich zwitscherten.

Ich freute mich ehrlich, all die Verwandten von früher mal wieder zu sehen (da wir so weit weg wohnen, sieht man eigentlich immer nur den Kern... das Umfeld von früher eher nicht). Der Anlass war ein so entsetzlich trauriger... aber die gemeinsamen Gespräche taten gut.

Und seit dem? In mir sind Dämme gebrochen. Ich musste beim Anblick des Wohnzimmers weinen, weil alles darin sozusagen "Oma" schrie. Ich muss immer wieder weinen... einfach weil sie mir fehlt.
Aber ich weiß, wir werden uns wiedersehen! Und das wird ganz großartig! Dann kann sie mich wieder von oben bis unten durchknuddeln und mir vor lauter Drücken die ganze Brille verschmieren 😘 Ich freue mich drauf!



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen